Von Dr. Klaus Wieser.

Das Ende der seriösen Welterklärung.

Es war einmal eine deutsche Gesellschaft, die – geläutert von den schlimmen Verbrechen in der Vergangenheit und deren Folgen– sich vollständig der ihr von den Siegern geschenkten Demokratie ergab. Die eigenen historischen Erfahrungen aus der untergegangenen Weimarer Republik und die Kenntnisse vom Funktionieren und den Problemen der angelsächsischen Demokratien standen Pate beim Aufbau der demokratischen Struktur in der Bundesrepublik Deutschland. Und wie im angelsächsischen Vorbild und den eigenen historischen Erfahrungen fiel Journalisten und Politikern die Aufgabe zu, den Wählern die Welt zu erklären.

Mit dem Aufblühen der Sozial- und Verhaltenswissenschaften an deutschen Universitäten kamen Soziologen, Politologen, Pädagogen, Psychologen, Zeitungswissenschaftler usw. hinzu, die in Konkurrenz zu den ursprünglichen Welterklärern das Weltgeschehen auf ihre Art deuten.
In der letzten Zeit verlieren die Journalisten zunehmend an Glaubwürdigkeit und damit auch an Bedeutung. Ganz sicher ist das zu einem Teil dem Tatbestand geschuldet, dass die neuen Medien den traditionellen wie Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen immer stärkere Konkurrenz machen und diese zu immer mehr Personaleinsparungen zwingen. Möglicherweise kommt es auch zu gewissen qualitativen Einbußen bei der Rekrutierung und Ausbildung des beruflichen Nachwuchses mit entsprechenden Folgen.
Besondere Bedeutung für den Qualitätsverlust kommt nach Ansicht eines sehr gut informierten Insiders der journalistischen Szene eine Verengung der Sichtweise durch Ideologisierung. Sie ergab sich seinerzeit als Folge des Einsickerns der sogenannten“68“er in alle Lebensbereiche („Marsch durch die Institutionen“) mit einer vereinseitigenden Sichtweise auf das gesellschaftliche und politische Zeitgeschehen.
Verschiedenen Untersuchungen bestätigen , was man ohnehin schon gemerkt hat: Mehr als zwei Drittel aller Journalisten verorten sich selbst auf der linken Seite des politischen Spektrums.
Nicht zuletzt führt dieses zu einer Herrschaft des „political correctness“. Alles, was sich jenseits einer akzeptierten Sichtweise abspielt, kann für die Journalistenklasse – da man im Besitz der Wahrheit ist – nur abscheulich „rechts“, „präfaschistisch“ usw. sein.

Als „Gutmensch“ – so glaubt man in diesen Kreisen -  hat man dagegen zu kämpfen und zu missionieren. Hatte man sich lange Zeit als Hassobjekt irgendwelche obskure Vereine, die NPD oder schlichtweg nur die Mitmenschen ausgesucht, die anderer Meinung waren oder „verbotene“ Vokabeln benutzten, entstand mit der AfD ein echter “Gottseibeiuns“. Und man bekämpft ihn mit Begeisterung und mit all den Mitteln, die einem zu Gebote standen und stehen. Nicht selten wurden dabei die gemeinsamen Wertgrundlagen aller Demokraten wie Wahrhaftigkeit, Wertebindung an unser Grundgesetz usw. verlassen. Man kann sich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass dieses Verhalten gegenüber der AfD darüber hinaus von einem deutlichen Vernichtungswillen geprägt wird. Mittel dazu sind eine häufig falsche, mindestens aber negative Berichterstattung und Kommentierung , die besonders liebevolle Herausarbeitung des „Versagens“ von AfD Prominenten oder irgendwelche dämlichen Äußerungen von Mitgliedern. Umgekehrt werden Tatbestände verschwiegen, die ein positives Licht auf die AfD werfen könnte. Beispielsweise sind viele der neueren Beschlüsse der Koalitionsparteien ( siehe den Aufsatz „Haltet den Dieb“ ) und der Regierung eindeutig aus dem Programm der AfD ohne Hinweis auf die Autorenschaft abgekupfert worden.

Als eine andere Ursache für die sinkende Qualität und Relevanz  der Presseorgane, wurden von dem oben genannten Insider das zunehmende Fehlen originärer Erfahrungen für den Journalisten über das genannt, was beispielsweise der „kleine Mann“ denkt und was in der Realität geschieht. Die Journalisten – so der Gewährsmann – leben eben nicht mehr in sozialen Brennpunkten, wo sie sozusagen physisch auf die Probleme gestoßen werden sondern dort, wo die besser Situierten leben. Letztlich wurde das als eine Art Ghetto beschrieben: Ein Leben unter einer Käseglocke.
Schließlich gilt im besonderen Maße für Journalisten das Prinzip „ Wes ´Brot  ich ess`, dess Lied ich sing!“ Die meisten Zeitungsverlage sind Teile eines großen Konzerns, der eine eindeutige politische Ausrichtung hat. Am stärksten ist das natürlich bei den SPD‘ eigenen Zeitungen ausgeprägt, die in der „ Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH (DDVG) zusammengeschlossen sind.  Vergleichbar mit den   SPD eigenen Printmedien sind auch die Redakteure in den öffentlichen – rechtlichen Medien einem starken politischen Druck ausgesetzt. Es ist der breiten Öffentlichkeit nicht verborgen geblieben, dass Journalisten, die es wagten, gegen den breiten rotgrün definierten Einheitsmeinungsstrom anzuschwimmen, geschasst wurden und werden.

Die Politiker  haben an Bedeutung für die Welterklärung der breiten Massen verloren. Die Gründe ähneln teilweise denen der Journalisten: Die Parteien – zuletzt die CDU – sind zur politisch „linken“ Seite gerückt und genau das führt zu einer geminderten Fähigkeit, gesellschaftliche Realität objektiv wahrzunehmen. Das Ergebnis war dann ein falsches oder irrelevantes politischen Handeln. Ferner fand und findet bei immer mehr Politikern die politische Sozialisation größtenteils in ihrer Partei statt, was das grenzüberschreitende Denken stark beeinträchtigte.  Und schließlich kamen und kommen viele Politiker aus dem Biotop akademischer Einrichtungen direkt in die Politik, und zwar ohne vorher in einem Beruf am eigenen Leib das Leben eines „Otto Normalverbrauchers“ erlebt zu haben. Ein großer Teil der verantwortlichen Politiker in Deutschland ist insofern bar jeder realistischen Gesellschaftserfahrung.

Im Verhältnis der Politiker zu den Journalisten kommt auch noch, dass man sich zu einem Teil im politischen Establishment kennt und von der gegenseitigen Abhängigkeit weiß. Die Politiker verwalten ein „Produkt“, nämlich Information, die sie den Journalisten, einzeln oder insgesamt, zuteilen können . Umgekehrt brauchen sie die Journalisten, weil sie zu wissen glauben, dass eine „gute Presse“ eine wichtige Voraussetzung für ihre weitere Existenz als Politiker ist. Insofern bilden Journalisten und Politiker eine Symbiose;  die Presse wird auch häufig als „Vierte Staatsgewalt“ bezeichnet.

Der Kampf dieses Establishments gegen die „Neuen“, wie wir von der AfD es sind, bedeutet letztlich für die Politiker einen Kampf um ihre Existenz.
Denn: Werden sie abgewählt, könnten sie vor dem Nichts stehen, da viele aufgrund ihrer absoluten Bezogenheit auf die Politik keine vernünftige berufliche Basis aufweisen. Verlieren beispielsweise bei den Wahlen die etablierten Parteien Sitze im Bundestag und in den Landesparlamenten, büßen die Politiker, ihre Assistenten, die Angestellten in den Geschäftsstellen der Altparteien usw. ihre Erwerbsgrundlage ein. Außerdem fällt ein großer Teil der staatlichen Förderung fort, was für weitere Personen (beispielsweise in den Parteistiftungen) einen schweren Verlust bedeuten könnte. Und gibt es nicht mehr die vertrauten Personen in ihren politischen Funktionen, gibt es auch nicht mehr die notwendigen Informationsquellen für die Journalisten.
Man braucht sich nicht darüber zu wundern, dass die Genannten  dazu neigen, das für sie aufkommende Übel AfD mit allen Mitteln vernichten zu wollen. Demokratie, bürgerlicher Anstand und das Wohl des deutschen Volkes spielt dann für sie keine Rolle mehr.
Erstaunlich ist, dass der dritten Gruppe der Welterklärer, den Sozial- und Verhaltenswissenschaftler, ebenfalls einen Teil ihrer Seriosität abhanden gekommen ist. Obgleich man idealerweise davon ausgehen darf, dass sie – sozusagen von Berufs wegen – im besonderen Maße der Wahrheit verpflichtet sind, erstaunt die Leichtigkeit, mit der bestimmte Vertreter dieser Gruppe zu einem “Urteil“  über die AfD finden.

Nehmen wir einmal als Beispiel die immer wieder diskutierte Frage nach der sozialen Struktur der Mitgliedschaft und der Wähler der AfD sowie ihrer Motive, müssten umfangreiche Studien durchgeführt werden, die im Forschungsdesign recht ambitioniert sowie zeitlich aufwendig und teuer würden. Erst nach deren Ende könnten dann Aussagen gemacht werden. Von derartigen Studien ist nichts bekannt und sie hat es wohl auch nicht gegeben. Trotzdem wurden entsprechende Aussagen gemacht. Es ist anzunehmen, dass in der Praxis nur Spielarten des üblichen Verfahrens nach dem Muster der ohnehin zunehmend unzulänglichen Meinungsforschungsindustrie angewandt wurden, falls nicht ohnehin die Aussagen aus dem „hohlen Bauch“ heraus gemacht wurden. In jedem Fall wurden nur „Erkenntnisse“ geliefert, wie sie die Auftraggeber und vielleicht auch die betreffenden Sozialwissenschaftler selbst wünschten. Seien wir ehrlich: Überfällt uns nicht häufig ein fahler Geschmack von Scharlatanerie, wenn man Aussagen über die AfD liest, sieht und hört ?
Und lagen nicht regelmäßig die Prognosen über Wahlergebnisse unter den wirklichen Ergebnissen für die AfD ?

Resigniert ist zu fragen: Wer und was bleibt, um Lieschen Müller seriös die Welt zu erklären ?

Diskussion

  1. Christel Koppehele

    Dez 10, 2016  um 21:09

    Recht gute Analyse der heutigen Verhältnisse in der BRD der Angela Merkel von Dr. Wieser. Ich würde die Frage am Schluß etwa so beantworten: “Lieschen Müller” muß zunächst mal so sozialisiert bzw. beschult werden, daß sie/er fähig wird, SELBSTÄNDIG zu denken. Da aber auch die deutschen Schulen zu den Institutionen gehören, die von den Systemveränderen der 68er Revoluzzer durch ihren frech verkündeten “Marsch durch die Institutionen” weitgehend beherrscht werden, bedürfte es wiederum einer Revolution, um die Links-Grünen “rauszuschmeißen” bzw. zu entmachten. Das kann, wenn überhaupt, nur an den Wahlurnen demnächst, hoffentlich! entschieden werden.

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