Von Dr. Klaus Wieser

Die Kanzlerin – die ungekrönte Königin der Schlepper?

Es ist viel die Rede von dieser „Berufsgruppe. Aber was genau ist ein „Schlepper“ ?
Nach allgemeinen Verständnis sind Schlepper Personen, die andere über eine Landesgrenze bringen, obgleich das verboten ist.

Schlepper gelten als die Hauptschuldigen der gegenwärtigen „Flüchtlingsflut“. Offiziell will die Bundesregierung das „Schlepperunwesen“ mit allen Mitteln beseitigen. In entsprechenden Mitteilungen heißt es, dass die Schlepper nicht nur den bereits Flüchtigen helfen, ihren Weg in die begehrten Länder Europas zu finden, sondern dass sie auch den Flüchtlingsstrom verursachten.

Sie sollen Menschen mit Hilfe geschönter Informationen zur gefährlichen Flucht in europäische Länder verleiten.

Eine derartige Nachhilfe ist allerdings für Menschen nicht nötig, die sich einer unmittelbaren Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt sehen, sei es durch brutale Machthaber oder durch Krieg. Das gilt auch für Menschen, die sich ohne Hoffnung in entbehrungsreichen Flüchtlingslagern befinden oder Freiheitsberaubungen durch einen jahre-/jahrzehntelangen Wehr- und Arbeitsdienst ausgesetzt sehen. Aber es ist sicher auch nicht schwer, Menschen – besonders junge Männer in Afrika – , die keine Zukunft für sich sehen, mit den Aussichten auf ein vorgebliches Schlaraffenland nach Europa zu locken. Und davon gibt es viele Millionen aufgrund des Geburtenüberschusses, der verbreiteten Arbeitslosigkeit, der Hoffnungslosigkeit- auch angesichts der Korruption und des Versagen der verantwortlichen Politiker.

Hinzu kommen noch andere Motive zu derartigen Wanderungsbewegungen, wie beispielsweise die „pragmatische“ Vorstellungen von afrikanischen Dorfgemeinschaften, die junge Männer mit Reisegeld und dem Auftrag ausstatten, nach Europa zu gehen, Geld zu erwerben und dieses dann nach Haus zurück zu schicken. Diese Gemeinschaften wollen auf diesem Weg indirekt an dem Wohlstand in Europa teilhaben. Es geht diesen nicht um das Überleben, sondern um Teilhabe an unserem Wohlstand.

Und schließlich darf man besonders bei den jungen Männern nicht die Abenteuerlust unterschätzen. Sie wollen etwas anderes sehen und erleben und schließlich als „gemachte Männer“ in ihr Dorf heimkehren.
Wir kennen Vergleichbares aus der europäischen Kulturgeschichte. Im Handwerk war eine Wanderzeit vorgeschrieben. Im Bürgertum und Adel war eine „Kavaliersreise“ als normale Entwicklungsphase eines jungen Mannes angesehen. Warum soll es bei jungen Männern in Afrika und dem nahen Osten keine Sehnsucht nach der Ferne geben? Grundsätzlich würde man ihnen dieses auch nicht verübeln, wenn sich diese Jungmänner nicht als Asylbewerber oder Kriegsflüchtlinge ausgeben würden, um überhaupt nach Europa zu kommen.

Viele Menschen mit unterschiedlichen Motiven haben es mit Hilfe der Schlepper nach Deutschland geschafft. Es haben sich ihnen auch keine Grenzschützer – weder an europäischen noch der deutschen Grenze in den Weg gestellt. Im Gegenteil: Sie erhielten fast überall Hilfe auf ihrem Weg, teils, um sie los zu werden, teils begeistert von Menschen, die es als ihre menschliche bzw. christlicher Pflicht sahen.
Häufig genug gehen die Schlepperbanden „arbeitsteilig“ vor. Die mühsame Arbeit mit Gefahren müssen die Hilfskräfte erledigen, während sich die Bosse auf die leichte Arbeit des Organisierens und auf die erfreuliche Tätigkeit des Kassierens beschränken.
Es heißt, dass die Gewinne aus dem Schleppergeschäft, einschließlich des nicht davon abzugrenzenden Menschenhandels, die aus dem Drogenhandel bereits übertreffen.

Schlepper ist man nach der obigen Definition nicht nur dann, wenn man Menschen gegen üppige Bezahlung bei der Überwindung der Landesgrenzen unterstützt. Häufig wurden arglosen Autofahrern, die hilfreich Ausländer über die Grenze transportierten, der Vorwurf gemacht, als Schlepper tätig gewesen zu sein. Die Bezahlung ist folglich keine zwingende Voraussetzung für eine strafbare Schleppertätigkeit.

Und wie sieht es aus, wenn eine Bundeskanzlerin eine Einladung ausspricht, nach Deutschland zu kommen? Sie ist ja generell eine Respektsperson für die Menschen, ihr Wort hat quasi Gesetzeskraft.
Vielleicht hatte sie nur jene gemeint, die in Budapest auf der Flucht gestrandet waren. Aber dann hat sie sträflich nicht bedacht. dass sich auch sehr viele andere angesprochen fühlten: In den Kampfgebieten Syriens, im Irak, in Afghanistans und in trostlosen Flüchtlingslagern.
Als einmalige Chance sahen es die Zuwanderer aus den Ländern Afrikas, des islamischen Gürtels Vorderasiens usw. und sogar aus Europa an. Von der individuellen Not und Gefahr getriebene Menschen, aber auch die oben genannten jungen Männer und Glücksritter bekamen nun von der Bundeskanzlerin eine Zusage, in das Schlaraffenland zu kommen.
Entscheidend war, dass die Bundeskanzlerin so formulierte, als sei es eine Verheißung. Sie korrigierte sich nicht. Im Gegenteil, sie beharrte trotzig auf: “Wir schaffen das!”
Die „große“ Angela kümmerte sich nicht um Gesetze und Regeln, weder um die des deutschen Staates noch um die der EU. Die Erosion des Rechtsstaates wurde wie schon in der Vergangenheit von ihr wieder billigend in Kauf genommen.
Damit minderte sie das Unrechtsbewusstsein bei der illegalen Einwanderung. Und das war weit mehr als die Schlepper tun.

Ihr Verhalten ist unfassbar. Aber was sind ihre Motive? Vielleicht helfen hier die Ausführungen im Aufsatz “Göttinnendämmerung” in der Muttikratie ? (v. 09.12.15).
Ganz bestimmt war es nicht Geld. Aber, wir haben gelernt, dass dieses keine Voraussetzung für die Schleppertätigkeit ist. Demnach müsste die Bundeskanzlerin eine Schlepperin sein.
Sie tat und tut es millionenfach. Das ist viel mehr als alle anderen Schlepper zusammen. Ist sie also eine ungekrönte Königin der Schlepper?

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