Von dem Wunschdenken der Tagträumer und der Realität einer türkisch- muslimischen “Fünften Kolonne“ in Deutschland

Der Begriff der „Fünften Kolonne“ stammt bekanntlich aus dem spanischen Bürgerkrieg 1936. Einer der militärischen Führer der Putschisten gegen die Republik, der General Emilio Mola, verkündete, er werde vier Kolonnen gegen Madrid führen. Sein militärisch bedeutendster Trumpf sei aber die organisierte und bewaffnete Gruppe der Faschisten in der Stadt. Sie seien seine „Fünfte Kolonne“ und wahrscheinlich die effektivste.

Dieser Begriff der „fünften Kolonne“ wurde in den politischen Auseinandersetzungen danach wiederholt gebraucht. So vom tschechischen Premierminister Milos Zeman , um die Vertreibung der Sudentendeutschen aus ihrer Heimat zu rechtfertigen. Deren Interessenvertretung , die Sudetendeutsche Partei unter Konrad Henlein, hätte während der 1930er Jahren in der damaligen Tschechoslowakei als „fünfte Kolonne Hitlers“ zunehmend an Einfluss gewonnen. Zuletzt habe Henlein und seine Partei daran mitgewirkt, dass die Tschechoslowakei von allen Allierten und dann an Hitler ausgeliefert wurde. In den 1980er Jahren bezeichnete Heiner Geißler, seinerzeit Generalsekretär der CDU, die SPD als die „Fünfte Kolonne der anderen Seite“ – also der Sowjetunion, weil sie in der Frage der Diskussion um die US – Mittelstreckenraketen schwankte und sich dann den Gegnern der Stationierung derartiger Raketen öffnete. Trotz dieses Tatbestandes war es schon starker Tobak, wenn Geisler seinerzeit die SPD nur leicht verschlüsselt als eine Kampfkolonne des Warschauer Pakts bezeichnete.
Nach den Ereignissen der letzten Tage mit den hunderttausenden türkischen Demonstranten auf den Straßen deutscher Großstädte zugunsten der problematischen Politik des türkischen Präsidenten Erdogan ist zu fragen, ob nicht die in Deutschland lebenden Türken, im übertragenen Sinne als eine „fünfte Kolonne“ der türkischen Staatsführung angesehen werden könnten. Schwarzseher vermuten z.T. folgenden Zweck in dieser Mobilisierung: Nämlich zukünftig eine dauernde Einflussnahme auf die deutsche Politik.
Liebhaber besonders ausgefallener Verschwörungstheorien haben bestimmt schon Überlegungen über die Errichtung einer islamischen Herrschaft mit türkischen Färbung über Deutschland angestellt.
Aber kann man sich nicht angesichts des Meers türkischer Fahnen anlässlich dieser Ereignisse, die nur die Türkei betreffen, durchaus vorstellen, dass diese und vergleichbare Verschwörungstheorien wie Pilze aus dem Boden schießen?
Interessant ist, dass sich in den Ausdrucksformen dieser Pro-Erdogan- Demonstrationen mit ihrer fast religiösen Verehrung der eigenen Fahne, der Hymne und dem Hinweis auf ein nebulöses Türkentum ein Denken widerspiegelt, wie wir es in Europa im 19. und beginnenden 20.Jahrhundert kennen. Dieses übersteigerte nationalistische Denken hat sich bekanntlich (nach einer langen Vorgeschichte in Frankreich und England) in Europa nach der Französischen Revolution verbreitet. Die nationalistische Welle erreichte Deutschland erst nach den napoleonischen Kriegen und führte wie in den anderen europäischen Staaten zu schlimmen Übersteigerungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg glaubten wir, den Nationalismus überwunden zu haben.
Wissenschaftlich interessant ist, dass diese Manifestation eines übersteigerten türkischen Nationalismus zu einem Zeitpunkt geschieht, zu dem sich der übernationale Islamismus in der Türkei um sich greift.

Was bedeutet das aber für Deutschland ?

Wenn die meisten Befragten in irgendwelchen Interviews angeben, dass sie nicht Gauck, sondern Erdogan als ihren Präsidenten ansehen, wenn in bestimmten Stadtteilen deutscher Großstädten Türkisch die tägliche Umgangssprache geworden ist sowie viele eingeschulten Kinder deshalb dem Unterricht in deutschen Schulen nicht mehr folgen können, kann man nur noch schlussfolgern, dass hier eine Bevölkerung eingewandert ist, die sich weiterhin als türkisch versteht – und nicht als deutsch mit türkischer Abstammung.
Noch problematischer erscheint jedoch das Ergebnis einer neueren Befragung, nach der 47 % der türkischstämmigen Befragten angeben, dass sie den Koran, die Scharia, als wichtiger ansehen als das deutsche Grundgesetz.
Angesichts dieses Tatbestandes bedeuten die drei Millionen Türken oder türkischstämmiger Menschen in Deutschland eine hohe Belastung für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft. Das gilt umso mehr, weil dazu noch mehr als eine Million Menschen aus fernen Kulturkreisen nach Deutschland gekommen sind. Wenn immer wieder seitens der Regierung und der anderen Altparteien beteuert wird, dass zum Ende des syrischen Bürgerkrieges und bei Beruhigung der Lage in den anderen Ländern des Nahen Ostens und Afrika die“ Flüchtlinge“ wieder zurückkehren würden, muss man sich fragen, ob das wirklich realistisch ist. Es ist wohl vielmehr so, dass wir uns auf noch mehr Einwanderer einstellen müssen. Auf Dauer wird man nicht vermeiden können, dass diese Menschen ihre Familienangehörigen nachziehen. Das wird dadurch verstärkt, dass bei ihnen die Geburtenraten üblicherweise hoch sind, während gleichzeitig die Größe der deutschen Bevölkerung abnimmt.
Umso wichtiger ist, dass die Integration gelingt. Diese setzt zum einen Integrationswilligkeit und -fähigkeit voraus. Die Integration wird andererseits erschwert durch die große Menge der Zuwanderer, aber auch durch die Verschiedenheit der Kulturen und Religionen. Z.B. haben häufig Moslems andere Vorstellungen von Demokratie, Menschenrechten Bürgerrechten und Frauenrechten. Wenn es nicht gelingt, die berufliche Qualifikation der Zugewanderten so zu steigern und gleichzeitig ihre Arbeits- und Integrationsmotivation auf einem hohen Niveau zu halten, werden sie in unserer Gesellschaft nicht „ankommen“.

Wir stehen vor einer schwierigen Situation und großen Herausforderungen, die uns von den Altparteien und der Bundeskanzlerin eingebrockt wurden, damit nicht zusätzlich zu der großen Gruppe der nicht integrierten Türken weitere „Fünfte Kolonnen“ entstehen.

Den türkischen Zuwanderern dagegen ist die Schaffung einer Parallelgesellschaft so gut gelungen, weil sie sehr viel Hilfe aus ihrem „Mutterland“ erhielten: Geldmittel zum Moscheebau, geschulte türkischsprachige Prediger, die von der Türkei bezahlt wurden, mit der DITIB eine gut funktionierende Organisation, eine effektive Lobbyarbeit und schließlich ein überdurchschnittliches Gefühl der nationalen Zusammengehörigkeit unter den Türken. Es kommt auf den Weitblick unserer Entscheidungsträger an, angesichts dieser Determinanten kluge Entscheidungen zu treffen. Z.B. sollte der Erwerb eines deutschen Passes erst möglich sein, wenn eine Integration nachweislich gelungen ist. Wenn man sieht, wie leicht der Erwerb des deutschen Passes gemacht wurde – ohne die desintegrierende Folgen zu bedenken – kann man nur hoffen, dass sie zukünftig mehr Weisheit an den Tag legen.

Wie heißt es bei Heine: „Denk` ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um meinen Schlaf gebracht!“

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