Von Dr. Klaus Wieser.

Integration von Moslems in die deutsche Gesellschaft

Seit den fünfziger und sechziger Jahren hat man zunächst in der alten Bundesrepublik und dann in dem wiedervereinigten Deutschland viele Erfahrungen mit der Integration von Moslems in die deutsche Gesellschaft gesammelt. Grob gesagt kann man das Ergebnis bis heute als „durchwachsen“ bezeichnen.

Dabei muss man bedenken, dass es sich in der Mehrheit zunächst um jugoslawische und dann um türkische Moslems handelte. Diese waren mit dem europäischen Wertesystem mehr oder weniger vertraut und wiesen – anders als relativ gesehen die Moslems aus dem Vorderen Orient, die jetzt zu uns ins Land geströmt sind – eine durchschnittlich höhere Schulbildung auf. Sie kamen im Zusammenhang mit der Anwerbung von „Gastarbeitern“ für die deutsche Wirtschaft und viele blieben einfach, obgleich sie grundsätzlich nur für eine begrenzte Zeit in den Unternehmungen angestellt waren. Diese Entwicklung wurde dadurch begünstigt, dass viele Unternehmen auf ihre gut eingearbeiteten Arbeitskräfte nicht verzichten mochten.
Sie holten ihre Familien nach oder gründeten hier welche und trotzten den hilflosen Versuchen verschiedener Bundesregierungen, sie wieder in ihre Heimat zurück zu locken. Zu erinnern ist besonders an die Bemühungen der Kohl- Regierung.

Zwischenzeitlich wächst die dritte Generation heran und man hat den Eindruck, als entwickele sich die Integration bei vielen der Nachkommen jener ersten Gastarbeitergeneration zurück. Beispielsweise: Trugen noch die Frauen am Anfang der “Gastarbeiter”- Beschäftigung relativ selten ein Kopftuch, ist es gegenwärtig der größte Teil.
Auf der anderen Seite sind sehr viele “Gastarbeiter”, ihre Familien und Enkel zu Deutschen geworden. Sie sind teilweise leuchtende Beispiele gut gelungener Integration. Das gilt nicht nur für die Christen unter ihnen sondern auch für Moslems.
Allerdings ist es zwischenzeitlich zu Entwicklungen im Islam gekommen, die man als eine Rückwendung zu frühen Formen der Religionsperzeption und -ausübung bezeichnen kann. Sie hat auch großen Einfluss in den Heimatländern der früheren „Gastarbeiter“ bekommen. Die „Europäisierung“, die auch als partielle Säkularisierung beschrieben werden kann, begann dort rückläufig zu werden. Deutlich wird dieses beispielsweise am Beispiel der Türkei unter Erdogan und seiner Partei AKP, die die Türkei gleichermaßen zu einem autoritativen wie islamischen Staat machen wollen. Das große Erbe von Atatürk wird systematisch “rück – gebaut”.
Das hat dann entsprechende Rückwirkungen auf die “einheimischen” Moslems, ganz besonders auch deshalb, weil die Prediger häufig aus ihren Heimatländern kommen. Hier ist auf die türkische Religionsbehörde DITIB zu verweisen, die die türkischsprachigen Moscheen mit Imamen versorgt.
Wahrscheinlich ist diese Entwicklung zu einer rückwärts gerichteten Auslegung des sunnitischen Islams auf den wahhabitischen Einfluss aus Saudi Arabien und der entsprechenden im schiitischen Islam auf Ajatollah Chomeini zurückzuführen.
Wenn man bedenkt, dass der Koran und die Hadithe für den gläubigen Moslem klare Handlungsanweisungen für den Alltag liefern, führt deren Bindung an ihre Religion angesichts dieser Entwicklung eher zur sinkenden Integrationsbereitschaft in die jüdisch – christlich geprägten Gesellschaften Europas, die zunehmend sehr säkular geworden sind. Das ist zu einem großen Teil auch darauf zurückzuführen, dass im Koran selbst ganz ausdrücklich Integrationshemmnisse eingebaut sind.

Darin werden zunächst die Muslime als “Rechtgläubige” eingestuft und die anderen als “Ungläubige”. Dabei werden die Christen und Juden als “Buchbesitzer” gegenüber den Anhängern anderer Religionen noch relativ bevorzugt. Wenn sie unter muslimischer Herrschaft nicht konvertieren wollen, werden sie zu Dhimmis , einer Art von Menschen niedrigeren Ranges, während die Muslims eine gehobene Stellung innehaben. Umgekehrt ist eine Unterwerfung der “Rechtgläubigen” in den christlichen Gesellschaften unter die Regelungen und Gesetze, Abmachungen und Verträge der Dhimmis für die “Rechtgläubigen” von vielen von ihnen schwer zu akzeptieren.
Ohnehin wird gemäß Koran allein ein Nebeneinander der Moslems mit den Nichtmuslimen im Sinne von oben und unten nicht aber als ein Miteinander geregelt.
Beispielsweise wird auch bestimmt, dass die “Rechtgläubigen” auch keine Freundschaften mit Dhimmis eingehen sollten. Ohnehin gibt es Ge-und Verbote für Moslems wie die Speisevorschriften, das Alkoholverbot, die mindere Stellung der Frau usw., die bereits ohne die anderen integrationsvereitelnde Vorschriften des Korans einen geselligen Umgang von Moslems und Christen bzw. Juden stark erschweren.

Zusätzlich zu den genannten Schwierigkeiten kommen noch die aus dem gesellschaftlichen Kontext der einzelnen arabischen Gesellschaften. Viele der Regelungen, die bei uns dem Islam zugeschrieben werden, beispielsweise bestimmte Bekleidungsvorschriften für Frauen, sind häufig nur folkloristisch und in Wirklichkeit nicht religiös bedingt. Nicht selten verschärfen sie die integrationsfeindlichen religiösen Vorschriften.

Ferner sind die muslimischen Staaten nur selten Demokratien und entsprechend in ihrem Umgang mit dem einzelnen Bürger nicht auf die Achtung der Menschenwürde verpflichtet.
Beispielsweise folgt die Staatsgewalt – verkörpert durch Polizei und Rechtswesen – dort dem Prinzip der Bestrafung in Form einer Vergeltung für Verstöße gegen die gottgewollte Ordnung, während sie sich hier als Dienstleistungsträger an den Bürger und der Gesellschaft verstehen.
Unsere Strafgesetze und unsere Strafjustiz setzen ein Menschenbild voraus, das von der Besserungsfähigkeit des einzelnen Straftäters ausgeht und das auch dem Prinzip des Verzeihens großen Raum gewährt. Deshalb ist die Rehabilitation des Rechtsbrechers / im Sinne einer Wiedereingliederung in die Gesellschaft das Ziel und nicht nur die Bestrafung wegen Übertretung der Regel wie im Islam.

Allgemein gilt bei uns im Bereich der öffentlichen Ordnung, dass die Deeskalation von Konflikten das Ziel ist und nicht die Demonstration von öffentlicher Gewalt.
Die europäische Staatsgewalt wirkt also sehr nachgiebig und freundlich – etwas, was die Menschen aus diesen autoritären Gesellschaften eher als Schwäche verstehen.
Und sie reagieren entsprechend darauf.

Zusammen mit den Legitimierungszweifeln frommer Moslems an den Gesetzen und den anderen Regeln im Lande der “Dhimmis” ergibt sich für viele Muslime eine Relativierung und sogar Ablehnung der hiesigen Ordnung.
Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass in den deutschen Gefängnissen relativ zu ihrem Anteil an der Bevölkerung über dreimal so viel Ausländer als Einheimische einsitzen.(Vortrag Prof. Dr. em. Rainer Tetzlaff am 16.03.2016 im Rahmen der Universitätsgesellschaft Hamburg)

Schließlich sind die europäischen Gesellschaften Bildungs- und Arbeitsgesellschaften, in denen die produktive Arbeit des einzelnen den Lebensrhythmus bestimmt. ( Hierzu vergleiche Max Weber: “Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus”).

Schon allein der Zwang zur Einbettung der von den einzelnen erbrachten hoch arbeitsteilig organisierten Arbeit in einen jeweils höheren Zusammenhang sowie der Zwang zur persönlichen Disziplin sind im Nahen Osten nicht so ausgeprägt wie hier. Außerdem sind die persönlichen und beruflichen Qualifikationen des einzelnen in den fortgeschrittenen europäischen Gesellschaften wie der deutschen sehr hoch: Jeder kann im Prinzip lesen und schreiben, fast jeder, einschließlich der Frauen, hat einen Beruf erlernt, jeder hat (wenn auch unterschiedlich nach Individuum ) eine Leistungsmotivation und eine relativ hohe Frustrationstoleranz.

Dagegen entsprechen die genannten Fähigkeiten und Fertigkeiten der Zuwanderer nur selten dem Standard in den entwickelten europäischen Gesellschaften. Deshalb bedarf es zwingend einer umfangreicheren Internalisierung der sogenannten Arbeitstugenden und der Fortbildung in dem erlernten Beruf ( soweit überhaupt vorhanden) oder das Lernen eines Berufs, sollten die Zuwanderer in die deutsche oder einer anderen fortgeschrittenen europäischen Gesellschaft bleiben wollen.

Zusammen mit dem Lernen der jeweiligen Sprache des Gastlandes – in unserem Falle der nicht einfachen deutschen Sprache – bedarf es einer längeren Zeit, bis die Zuwanderer in der Arbeitswelt eintreffen und beginnen können, sich mit dem selbst verdienten Geld ein selbstbestimmtes Leben zu schaffen. Bis dahin sind die Zuwanderer auf Hilfe unserer Gesellschaft angewiesen.
Sie werden sich kaum bis zu diesem Zeitpunkt als vollwertige Glieder unserer Gesellschaft fühlen. Bei einem ( großen ?!) Teil der Zuwanderer muss man davon ausgehen, dass sie es nie schaffen werden, sich völlig in die Arbeitswelt zu integrieren. ( Hierzu W.I.R. – “work and integration for refugees” gemeinsames Projekt der Sozialbehörde Hamburg und der Agentur für Arbeit ).
Die immer wieder von lancierter Vorstellung, man könne mit Hilfe der Zuwanderer die demografische Lücke füllen, ist eine reine Zweckbehauptung.

Wenn es überhaupt gelingen soll, Muslime in großer Zahl in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, muss besonders gleich zu Beginn des Aufenthaltes sehr viel Geld in Sprach- und Integrationskurse, Berufsausbildung usw. investiert werden. Trotz alledem wird Deutschland abhängig von der Anzahl der Zuwanderer eine schwere zusätzliche Soziallast entstehen. Die grundsätzlichen Integrationshemmnisse werden durch alles aber nicht beseitigt werden – besonders nicht für die frommen Muslime.
Hier ist es notwendig, die Arbeiten an einer Neu – Interpretation bzw. Neugewichtung der geistigen Grundlagen des Islams zu unterstützen und Einflüsse des Salafismus zurückzudrängen. Dieses ist aber hauptsächlich die Aufgabe der geistigen und geistlichen Elite der Moslems selbst.

Die europäischen Staaten und Gesellschaften können deren Bemühungen nur unterstützen – mehr nicht. In diesem Zusammenhang ist auf die entsprechenden Aktivitäten insbesondere an der Universität Münster aber auch Hamburg( “Akademie der Weltreligionen”) usw. zu verweisen.

Ein schnelles Ergebnis ist nicht in Sicht und deshalb sind schon viele Voraussetzungen für das Misslingen der Eingliederung in die deutsche Gesellschaft erfüllt . Das gilt dann umso mehr je mehr Moslems nach Deutschland kommen und bleiben, denn ihre schiere Menge erschwert jegliches Bemühen um Integration bis zur Unmöglichkeit.

Am Ende bleibt die Einsicht, dass wir in einem derartigen Fall mit vielen Schwierigkeiten, mit vielen Konflikten und sehr viel mehr Kriminalität und sogar Terrorismus rechnen müssen. Ob sich das die Refugier (siehe den Aufsatz “Willkommenskultur als Religionsersatz” ) und die anderen Verantwortlichen in der Politik und ihre medialen Verbündeten vor Augen führen bzw. geführt haben?

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