Die politische Linke und Andersdenkende.

Von Dr. Klaus Wieser.

Merkwürdig erscheint, dass der politischen Linken Toleranz gegenüber Andersdenkenden besonders schwer fällt, wenn sie selbst die Macht oder wenigstens die Meinungsführerschaft hat. Und das gilt, obgleich sie sich im besonderen Maße immer wieder auf die Menschenrechte beruft.

Diese Menschenrechte fußen auf der Diskussion der geistigen Eliten in Europa im Zeitalter der Aufklärung ab dem 16. bzw. 17. Jahrhundert besonders in Frankreich und England. Sie fanden damals bekanntlich zunächst ihren Niederschlag in der Begründung der Französischen Revolution und in der Verfassung der entstehenden „Vereinigten Staaten von Amerika“. Sie sind in der Gegenwart die Grundlage für die UNO und in wesentlichen identisch mit den Grundrechten unseres Grundgesetzes.
Trotz dieser Menschenrechte kam es im Verlaufe der Französischen Revolution zu einer dogmatische Radikalisierung– allerdings befeuert durch die außenpolitische Bedrohung der entstandenen Republik. Die Folge war ein zunehmender Terror gegenüber Andersdenkenden. Die Guilliotine wurde schließlich das Mittel der Wahl, um sich dieser zu entledigen – während gleichzeitig ein pseudohumanistisches Pathos gepflegt wurde. Diese wurde mit einem Ritus verbunden, der der Heiligen Messe der katholischen Kirche nachempfunden wurde.
Wehe dem, der nicht darin mit einstimmte!

In der Russischen Revolution und in den politischen Auseinandersetzungen in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg wiederholte sich das Muster: Besonders die grauenvollen Geschehnisse in Russland von der Machtergreifung der Bolschewiki bis hin zu dem Totalitarismus Stalins und seiner Epigonen im sowjetischen Machtbereich wurden von den Herrschenden wie zu Zeiten der französischen Jakobiner ebenso von einem pseudohumanistischen Pathos mit pseudoreligiösen Anklängen begründet und begleitet. Schon kleine Abweichungen von der dekretierten Parteilinie – erst recht natürlich eine andere Meinung – wurden lebensgefährlich. Sogar Verherrlicher der bolschewistischen Machtergreifung in Russland wie Rosa Luxemburg sahen sich genötigt, darauf hinzuweisen,
dass „Freiheit … immer nur Freiheit des anders Denkenden (ist).“

Dass sich die braunen Gewaltherrscher in Deutschland und ihre Epigonen in anderen Teilen Europas dann genau der gleichen Mittel bedienten wie ihre sozialistische/ kommunistische Konkurrenz, schmälert nicht den Tatbestand, dass es die Linke war, die diese Strategie der Machtgewinnung und -erhaltung „erfunden“ hat.

Man kann sich diesen Grundzug „linker“ Gesinnung und „linken“ Handelns vielleicht dadurch erklären, dass man eine neue Gesellschaft, ein „Paradies auf Erden“ schaffen wollte. Um eine neue und bessere Welt im Diesseits zu errichten, wurde es notwendig, „altes“ Denken und Handeln zu beseitigen. Andersdenkende – also die Träger „alten Denkens“ waren demnach dumm oder schlecht und darüber hinaus gefährlich. Besonders für die Anhänger einer radikalen Umwälzung war das Schaffen eines neuen Paradieses angeblich nur möglich, wenn man alte Institutionen und die Träger „alten“ Denkens ausrottete. Diese Meinung basierte auf den Schriften der sozialistischen Heilsbringer wie Karl Marx und Friedrich Engels und wurde in fast religiöser Inbrunst verkündet und interpretiert. Diese Werke dieser beiden Herren und ihrer Epigonen boten tatsächlich so etwas wie eine Symbiose von Wissen und Glauben – von Wissenschaft und Pseudoreligion. Die überzeugten Anhänger des Sozialismus bildeten eine neue „Gedankenpolizei“ nach dem Muster der Heiligen Inquisition.

Wenn man konsequent eine neue Gesellschaft schaffen will, behaupteten die Wortführer der extremen Linken, müsse man alle Träger alten Denkens beseitigen. Bekanntlich sind sie diesem Ziel ein beträchtliches Stück nähergekommen. Zeugnisse dieses Denkens und Handelns sind u.a. die Massengräber in Kambodscha. Dort liegen die Gebeine der Menschen, von denen die „Roten Khmer“ annahmen, dass sie Träger von altem Wissen und alter Gedanken sein könnten. Eine neue Welt könnte man nach ihren Vorstellungen mit ihnen nicht aufbauen. Also mussten sie im Interesse derjenigen, die sich ein Paradies auf Erden wünschten, beseitigt werden. Das galt ebenso für ihre Ehepartner, für ihre Kinder und Verwandten. Diese wurden dann gleich mit getötet.
Finden ließen sich die Träger alten Denkens dadurch, dass sie irgendwelche verdächtigen beruflichen Qualifikationen aufwiesen, dass sie sich in Gesprächen verrieten oder ganz einfach, dass sie eine Brille trugen. Offensichtlich war das ein Ausweis für Belesenheit und Wissen – und das war höchst verdächtig.
Makaber ist, dass in China mit der Machtergreifung der Kommunisten ein vergleichbares „Programm“ lief und in der „Kulturrevolution“ mehr oder weniger wiederholt wurde.

Zurück nach Deutschland:
Wir wissen, dass unter den linken Politikern bis in die Gegenwart noch Menschen aktiv sind, die dieses grauenvolle Geschehen damals verbal unterstützten.

Man fragt sich, wie Parteien beschaffen sind, die dieses zulassen. Von der Moral derjenigen, die über diese Vergangenheit ihrer Parteifreunde hinwegsehen, ganz zu schweigen.

Die islamistischen Herrschaften der Gegenwart kann man als ähnliche Spielart dieses Typus von Herrschaftsgewinnung und – behauptung ansehen. Das eigene unmenschliche Handeln wird hier nicht mit dem höheren Ziel des Sozialismus/ Kommunismus und mit der entsprechenden pseudohumanen Phraseologie gerechtfertigt. Vielmehr basieren die Machthaber islamistischer Herrschaft diese auf Teile des Korans. Dieser bietet bekanntlich Rechtfertigungen für Eroberung und Herrschaft, von Mord und Totschlag sowie von Unterdrückung und Vorherrschaft der „Rechtgläubigen“ besonders gegenüber Andersgläubigen, z.B. Juden und Christen. Unvermittelt daneben stehen Suren voller Nächstenliebe – fast wie im Christentum. Das Erstere gilt für Teile des Korans, die Mohammed in Medina und das Letztere gilt besonders für die Teile des Koran, die er in Mekka verkündete.

Blickt man auf die Linke in der Gegenwart, muss man erschreckend feststellen, dass sie teilweise fast die gleichen Grundzüge aufweist wie ihre extremistische Verwandtschaft – den Kommunisten. Die Formen jedoch sind humaner und manchmal sogar etwas selbstkritisch reflektiert. Dennoch verbleibt eine fast religiöse Grundüberzeugung in ihrem Selbstverständnis, allein auf dem richtigen Weg zu sein. Man kann sich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass die tätige Toleranz, die die politische Linke, besonders die Sozialdemokratie, nach dem Zweiten Weltkrieg auszeichnete, sich teilweise aufgelöst hat, nachdem die Schrecken des Krieges immer mehr in Vergessenheit gerieten. Es gilt nicht mehr das Prinzip des fairen Umgangs mit allen Demokraten. Mit der Aktion ‚Kampf gegen Rechts‘ wird vielmehr die Gemeinschaft aller Demokraten verlassen. Die Andersdenkenden werden diffamiert und ausgegrenzt. Stärker als früher gilt das Prinzip – wenn auch in abgemilderten Form:

„Willst Du nicht mein Bruder sein, dann hau` ich Dir den Schädel ein!“

Es ist zu vermuten, dass dieses dem Einfluss der „68 er“ in ihrem „Marsch durch die Institutionen“ zu verdanken ist.

Aus den verqueren Vorstellungen jener Zeit, die auch die RAF gebar, entstand die Basis für die Phraselogie des „Gutmenschentums“. Das ist beispielsweise diejenige – noch große Gruppe – die gegenwärtig die „Flüchtlingspolitik“ rechtfertigt, ohne über die verheerenden Folgen nachzudenken. Nach den Grünen hat die CDU im Zuge der Linkswendung unter der Kanzlerin Angela Merkel diese Grundzüge der Linken übernommen.
Wenn die kritischen Stimmen durch Diffamierung mundtot gemacht werden, zerstört dies die sachliche politische Diskussion, die für das Funktionieren der Demokratie entscheidend ist. Dass die deutsche Nation durch die Flüchtlingspolitik ihre Zukunft verspielt, ist den linken politischen Träumern egal – oder sie begreifen das nicht. Denjenigen, die es wagen, die Realitäten laut zu verkünden und sich auch in der politische Arena dafür einsetzen, sind für die Linken und die Halblinken gefährlich. Das gilt besonders deshalb, nachdem die Wähler gezeigt haben, dass sie nicht so dumm sind, wie die Politiker der Altparteien sie gern hätten.
Und damit teilen diese kritischen Bürger und besonders die AfD – Mitglieder das Schicksal aller Ketzer, die der jeweiligen herrschenden Ideologie widersprechen: Sie werden mit allen Mitteln bekämpft, moralisch oder ganz handfest unter Druck gesetzt. Das gilt im Beruf, unter Nachbarn, bei Restaurantbetreibern und dadurch, dass man damit der rücksichtsloser Gewalt durch die sogenannte „Antifa“ ausgesetzt ist. Bekanntlich wurde ein Jan Hus seinerzeit verbrannt. Soweit ist es noch nicht gekommen..

Neuerdings haben die Täter, besonders die Politiker der Altparteien und Journalisten, sich eine neue Masche einfallen lassen. Unsere Beschwerden über die Drangsalierungen im Alltag werden von ihnen, den Tätern, so behandelt, es wäre es nur ein Mittel von uns, vorgetragen mit dem Ziel , Mitleid in der Öffentlichkeit zu erregen. Sie behaupten, wir bauschten kleine Vor­kommnisse – falls überhaupt geschehen – nur auf. Die Hetze gegen uns wird kurzerhand umgedreht. Kurzum: Die Opfer werden zu Tätern erklärt – und umgekehrt.

Auch das kennen wir aus der Geschichte!

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