Von Dr. Klaus Wieser.

Zerfällt die deutsche Gesellschaft aufgrund der vielen Zuwanderer aus fremden Kulturen?

Angesichts der großen Anzahl von Zuwanderern aus fremden Kulturen fragt man sich, welche Folgen das für die Gesellschaft in Deutschland haben wird. Es ist nicht schwer vorauszusagen, dass allein deren pure Anzahl bestimmte Veränderungen bewirken. Diese Wirkung wird umso nachhaltiger und umfangreicher sein, je mehr kommen und je länger sie bleiben. Je mehr die Wertvorstellungen der Zuwandernden von den unsrigen abweicht, umso schwieriger ist ihre Integration und gegebenenfalls ihre Assimilation.

Seit Beginn der deutschen Geschichte haben Fremde mit den Deutschen gelebt. Abgesehen von den Römern und einem Teil der Juden, die bereits auf dem späteren fränkischen Territorium lebten, kamen nach der Teilung des fränkischen Reiches im frühen Mittelalter von Westslawen besiedelte Gebiete zu Ostfranken hinzu. Sie alle wurden zu Deutschen, ebenso wie die Einwohner des südlichen und mittleren Teils Schleswigs, die ursprünglich dänisch sprachen.
Einwanderer im engeren Sinne und nichtdeutsche Flüchtlinge aufgrund von Kriegen und religiöser bzw. politischer Verfolgung wurden seit dem Mittelalter aufgenommen. Seit der Neuzeit waren es zunächst spanische Juden, dann kamen im 17. Jahrhundert die Hugenotten, danach Salzburger und mit der Industrialisierung Polen. Und schließlich kamen während des Krieges sogenannte „Fremdarbeiter“ und später „Gastarbeiter“. Bis auf die Zuwanderer der letzten fünfzig bis siebzig Jahre sind auch sie oder spätestens ihre Nachkommen restlos zu Deutschen geworden.

Wodurch kam es zu dieser Integration und weitgehenden Assimilation ? Ganz zweifellos waren es die Zwänge des Alltags, die das Beherrschen der deutschen Sprache und den Erwerb der vielen subtilen Verhaltensvorschriften sowie das Erlernen eines Berufes /Broterwerbs voraussetzte. Getragen wurde dieses von dem Willen zur Integration der Zugewanderten selbst. Dies wurde im Regelfall dadurch erleichtert, dass die Eingewanderten meistens dem gleichen oder einem ähnlichen Wertesystem verpflichtet waren wie die Deutschen – und in der jüngsten Zeit zusätzlich, dass sie eine ausreichende schulische Grundbildung aufwiesen.

Hinzu kam, dass die Produktionsbedingungen seinerzeit integrationsfreundlicher waren als sie es in der Gegenwart sind. Die gemeinsame Arbeit auf den Feldern, im Stall, in den Werkstätten am Fließband oder Unter Tage usw. bot viele Berührungspunkte mit den deutschen „Eingeborenen“ und Gelegenheiten sich aufeinander einzustellen bzw. anzupassen. Beispielsweise waren in das Ruhrgebiet viele Polen eingewandert – genauer: Es waren mehrheitlich polnische Bergleute, hauptsächlich aus den polnisch – sprachigen Gebieten, die nach dem Wiener Kongress an Preußen und mit der Gründung des Zweiten Kaiserreiches an das Deutsche Reich gefallen waren. Diese hatten meistens bereits in ihrer Heimat das deutsche Bildungssystem durchlaufen. Ihre Eingliederung in die deutsche Gesellschaft und spätestens ihrer Kinder ging deshalb relativ schnell.

Wie aber sieht es mit den Zuwanderern aus nichteuropäischen Ländern aus, die vor ungefähr dreißig bis fünfzig Jahren kamen – besonders, wenn sie Muslime waren?
Die Erfahrungen in der Vergangenheit sind „durchwachsen“. Wir können zwar feststellen, dass viele der ehemaligen türkischen oder andere muslimische „Gastarbeiter“ vom Balkan – sowie viele der muslimischen „Asylanten“ und ihre Nachkommen unproblematisch zu Deutschen geworden sind. Sie sind Unternehmer, Wissenschaftler, Politiker, Händler und Handwerker usw. geworden. Sie haben einen wertvollen Beitrag für unser Gemeinwesen geleistet und leisten ihn immer noch.
Aber es gibt viele Gegenbeispiele von integrationsresistenten oder nur oberflächlich angepassten muslimischen Zugewanderten und ihre Nachkommen. Diese leben häufig heute in Parallelgesellschaf­ten in den Großstädten, sprechen weder vernünftig Deutsch, noch sind sie in das Berufsleben eingegliedert. Sie leben von Hartz IV, weisen häufig eine stark erhöhte Kriminalitätsgefährdung auf und sind nicht selten bereit, sich auch den anderen in der deutschen Gesellschaft geltenden Normen zu widersetzen. Das gilt auch für ihre Kinder, die häufig genug in der Schule scheitern und sich später nicht selten mit Hilfsarbeiten über Wasser halten müssen. Sie ziehen sich dann häufig auf ihre Identität als Muslime zurück und/ oder gefallen sich in einer Opferrolle.

Was geschieht, wenn nun die Gruppe dieser Nichtintegrierten einen sehr starken Zuwachs durch die neu Zugewanderten erlebt?
Die gut Gebildeten und Qualifizierten unter ihnen werden relativ schnell integriert werden. Sie werden keine besonderen Probleme verursachen. Aber sie sind nur eine kleine Minderheit.
Ganz anders wird es mit der großen Zahl der wenig oder nicht Qualifizierten und Motivierten unter den Zuwanderern sein. Es ist zu befürchten, dass sie die Schar der hier Wohnenden aber nicht wirklich Beheimateten stark vergrößern. Da sie häufig keine beruflichen Qualifikationen mitbringen und das erforderliche Niveau auch später nur relativ selten erreichen, werden sie in dem hochentwickelten deutschen Produktionsprozess nur sehr schwer einen angemessenen Platz finden – wenn überhaupt. Sie werden mit den wenig Qualifizierten unter den Einheimischen um die immer knapper werdenden einfachen Arbeitsplätze konkurrieren.

Dadurch, dass die Zugewanderten alles daran setzen werden, ihre im Regelfall großen Familien nachzuziehen, wird ihre Zahl stark wachsen. Da sie je nach ihrer Herkunft ein starkes Gemeinschaftsgefühl aufweisen, werden sie wahrscheinlich nach ethnischen Gruppen getrennt zusammen ziehen und dadurch zusätzliche große Parallelgesell­schaften entwickeln.
Da die deutsche Gesellschaft schrumpft, wird sie – anders als in der Vergangenheit – nicht mehr in der Lage sein, diese unterschiedlichen Gemeinschaften zu integrieren, erst recht nicht assimilieren. Die Unterschiede zwischen ihnen werden sich höchstwahrscheinlich vertiefen. Das betrifft kulturelle und ökonomische Aspekte. Dazu kommen noch die Religionsbarrieren.
Und es ist nicht davon auszugehen, dass eine stark steigende Anzahl Minderbemittelter problemlos von den anderen unterhalten werden kann. Das wird zu Konflikten führen, die sich schlimmsten­falls auch gewaltsam Bahn brechen können.

Das sind keine schönen Aussichten!
Die Verursacher dieser unvermittelt über Deutschland hereingebrochenen Flüchtlingswelle, nämlich die Bundeskanzlerin, die Altparteien und die Riege der Gutmenschen sowie ihre medialen Verbündeten, haben behauptet: „Wir schaffen das“!
Gemeint ist: Wir schaffen die Integration dieser Menschen und ihre später nachgezogenen Familienangehörigen in die deutsche Gesellschaft, und zwar ohne „Kollateralschaden“.
Ist dies jedoch realistisch, angesichts des Tatbestandes, dass es noch nicht einmal gelungen ist, die Zuwanderer der letzten dreißig bis fünfzig Jahren und ihre Nachkommen vollständig in die deutsche Gesellschaft einzugliedern oder ist das eine absurde Behauptung?
Die Verantwortlichen berufen sich darauf, dass man gelernt habe und dieses Mal alles besser machen würde. Ist das glaubwürdig?

Ist dazu die Anzahl der Zugewanderten nicht viel zu hoch? Nur rein theoretisch wäre es möglich, die neuen Fremden einzugliedern, wenn die bisher Ausreisepflichtigen, die nicht Bleibeberechtigten und am besten auch alle potentiellen Integrationsverweigerer Deutschland wirklich bald verlassen würden. Dann könnte mit den knappen Ressourcen – eine vernünftige Organisation vorausgesetzt – durch den deutschen Staat mit einer umfangreichen Vermittlung der deutschen Sprache, der hier geltenden Rechtsordnung, eines Berufes / Broterwerbs und der wichtigsten informellen Verhaltensweisen und Umgangsformen versucht werden, die „Neuen“ in die deutsche Gesellschaft einzugliedern. Das setzt aber eine entsprechende Bereitschaft und die individuelle, intellektuelle wie mentale, Fähigkeit und Motivation der Zuwanderer voraus, dieses Angebot anzunehmen und umzusetzen.
Angesichts der hier schon beschriebenen positiven Fälle gelungener Integration könnte es zwar die Chance auf ein befriedigendes Ergebnis der Bemühungen für die Zuwanderer geben. Allerdings ist nicht zu unterschätzen, welche Widerstände sich aus dem muslimischen kulturellen Hintergrund dagegen ergeben könnten.

Es bleibt letztlich nur das Prinzip Hoffnung angesichts dieser Lage.

Diskussion

  1. Martin Rohweder

    Jun 09, 2016  um 11:18

    eine treffliche Analyse – aber selbst mit Integrationswillen auf Seiten der Migranten wird es sehr schwer. Das Abendblatt schrieb kürzlich das 88% der Migranten keine Ausbildung haben und selbst die Arbeitsagentur äußert sich inzwischen so das die Migranten bestenfalls die “Facharbeiter von Übermorgen” sind.
    der Anteil an faktischen Analphabeten soll bis zu 30% betragen. Auch Schulungen sind nicht einfach da viele der Neuankömmlinge vor allem “einfach nur arbeiten” wollen und/oder müssen um ihre Familien zu unterstützen – der 35 jährige Familienvater mit Frau und 3 Kindern im Heimatland kann es sich evtl. gar nicht erlauben NICHT zu arbeiten und in Fortbildungen ohne Lohn festzustecken… Außerdem fällt genau die größte Gruppe der 20-40 jährigen durch alle Raster unserer Schulungs/Ausbildungs Infrastruktur. Es ist in unserem System gar nicht vorgesehen große Zahlen von Erwachsenen in den Basics zu unterrichten – hier kommen also gewaltige Kosten und Anstrengungen auf uns zu.

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